Bau des Fehmarnbelt-Tunnels: Müssen noch mehr Schweinswale sterben?

Auf den ersten Blick sieht der Boden der Ostsee ganz harmlos aus. Algen, Schlick, Sand. Ist er aber eigentlich nicht, denn hier schlummern über 300 000 Tonnen Bomben und Munition aus dem zweiten Weltkrieg. Und nun soll hier ein Graben für den Tunnel zwischen Deutschland Dänemark gegraben werden. 18 Kilometer lang, 200 Meter breit. Drohen jetzt Unfälle und Explosionen? Der Verkehrsminister von Schleswig-Holstein versucht zu beruhigen. „Wenn man dann tatsächlich noch irgendwas findet, unerwartet, dann muss man das beseitigen.“, meint Bernd Buchholz. „Und dafür gibt es klare Verfahren, die unter Einhaltung des ökologischen Rahmens dann angewandt werden, um die Tiere vor Ort zu schützen, ggfs. dann solche Munition entweder zu bergen oder zu sprengen.“ Die Opposition im Kieler Landtag ist da aber anderer Meinung. Sie kritisiert vor allem den Bauträger Femern A/S, der große Riffstrukturen auf dem Meeresboden zunächst erst nicht entdeckt hatte, so die SPD-Abgeordnete Sandra Redmann. Wie sollen sie dann Bomben finden? „Ich finde es sehr mutig, sich einfach hinzustellen -ohne Genaues zu wissen- und zu sagen: Naja, ist alles für uns gar kein Problem.“, so Sandra Redmann. „Das machen wir mal so mit links. So einfach ist es eben nicht. Und die Sicherheit muss vorgehen und was genau da überhaupt sich jetzt befindet, das werden wir ja erst nach und nach erfahren. Ich halte Femern A/S nicht gerade für den zuverlässigsten Bauträger, wie sich bisher gezeigt hat. Und deswegen habe ich da schon Sorge.“ Was passieren kann, konnte man im vergangenen Jahr sehen. Da sprengte die Marine 42 Grundminen, 39 davon im Naturschutzgebiet. Das Ergebnis: 18 tote Schweinswale. Malte Siegert von Nabu mahnt daher zur Vorsicht. „Restbomben aus dem 2.Weltkrieg sind ja viele da. Wir haben immer wieder Phosphorfunde an den Stränden gerade vor Fehmarn.“, erzählt der Umweltschützer. „Da erwarten wir, dass gerade bei den Bauarbeiten erhebliche Probleme entstehen und wenn da eine solche Bombe losgeht, dann kann man davon ausgehen, dass es wieder viele Schweinswale trifft. Aber eben halt auch andere Meeresbewohner und da muss man sehr sorgsam mit umgehen.“ Ob der Tunnel trotzdem gebaut werden darf, entscheidet dann am 3. November das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

David Maciejewski
 23.10.2020, 10:14 Uhr

Während auf den ersten Blick der Boden der Ostsee harmlos aussieht, schlummern hier über 300.000 Tonnen Bomben und Munition aus dem zweiten Weltkrieg. Nun soll der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels starten und es könnten erneut viele Schweinswale sterben. Der Grund sind mögliche Explosionen. Die Details gibt’s in unserem Video.

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